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Briefwechsel mit Goethes Mutter:Kostbare Pracht- und Kunstwerke in Köln

时间:2025-02-05来源:互联网 字体:[ | | ]  进入德语论坛
(单词翻译:双击或拖选) 标签: Briefwechsel mit Goethes Mutter
Kostbare Pracht- und Kunstwerke in Köln
und auf der Reise dahin gesehen und für
meine liebste Fr. Rat beschrieben
 
Geh' Sie Achtung, damit Sie es recht versteht, denn ich hab' schon zweimal vergeblich versucht, eine gutgeordnete Darstellung davon zu machen.
 
Ein großer Tafelaufsatz, der mir die ganze Zeit im Kopf herumspukt, und den mir deucht im großen Bankettsaal der kurfürstlichen Residenz gesehen zu haben; er besteht aus einer ovalen, fünf bis sechs Fuß langen kristallenen Platte, einen See vorstellend, in Wellen sanft geschliffen, die sich gegen die Mitte hin mehr und mehr heben und endlich ganz hoch steigen, wo sie einen silbernen Fels mit einem Throne umgeben, auf welchem die Venus sitzt; sie hat ihren Fuß auf den Rücken eines Tritonen gestemmt, der einen kleinen Amor auf den Händen balanciert; rundum spritzt silberner Schaum, auf den höchsten Wellen umher reiten mutige Nymphen, sie haben Ruder in Händen, um die Wellen zu peitschen, ihre Gewande sind emailliert, meistens blaßblau oder seegrün, auch gelblich; sie scheinen in einem übermütigen jauchzenden Wassertanz begriffen; etwas tiefer silberne Seepferde, von Tritonen gebändigt und zum Teil beritten; alles in Silber und Gold getrieben mit emaillierten Verzierungen. Wenn man in den hohlen Fels Wein tut, so spritzt es aus Röhrchen in regelmäßigen feinen Strahlen rund um die Venus empor und fließt in ein verborgenes Becken unter dem Fels; das ist die hohe Mittelgruppe. Näher am Ufer liegen bunte Muscheln zwischen den Wellen und emaillierte Wasserlilien; aus ihren Kelchen steigen kleine Amoretten empor, die mit gespanntem Bogen einander beschießen, zwischendurch flüchten Seeweibchen mit Fischschweifen, von Seemännchen mit spitzen Bärten verfolgt und an ihren Schilfkränzen erhascht oder mit Netzen eingefangen. Auf der andern Seite sind Seeweibchen, die einen kleinen Amor in der Luft gefangen halten und ihn unter die Wellen ziehen wollen, er wehrt sich und stemmt sein Füßchen der einen auf die Brust, während die andere ihn an den bunten Flügeln hält; diese Gruppe ist ganz köstlich und sehr lustig; der Amor ist schwarz von Ambra, die Nymphen sind von Gold mit emaillierten Kränzen. Die Gruppen sind verteilt in beiden Halbovalen, alles emailliert mit blau, grün, rot, gelb, lauter helle Farben; viele Seeungeheuer gucken zwischen den kristallnen Wellen hervor mit aufgesperrten Rachen; sie schnappen nach den fliehenden Nymphen, und so ist ein buntes Gewirr von lustiger glitzernder Pracht über das Ganze verbreitet, aus dessen Mitte der Fels mit der Venus emporsteigt; am einen Ende der Platte, wo sonst gewöhnlich die Handhabe ist, sitzt etwas erhaben gegen den Zuschauer der berühmte Zyklop Polyphem, der die Galatee in seinen Armen gefangen hält; er hat ein großes Aug' auf der Stirn, sie sieht schüchtern herab auf die Schafherde, die zu beiden Seiten gelagert ist, wodurch die Gruppe sich in einen sanften Bogen mit zwei Lämmern, welche an beiden Enden liegen und schlafen, abschließt. Jenseits sitzt Orpheus, auch gegen die Zuschauer gewendet; er spielt die Leier, ein Lorbeerbaum hinter ihm, auf dessen ausgebreiteten goldnen Zweigen Vögel sitzen; Nymphen haben sich herbeigeschlichen mit Rudern in der Hand, sie lauschen; dann sind noch allerlei Seetiere bis auf zwei Delphine, die auf beiden Seiten die Gruppe wie jenseits in einem sanften Bogen abschließen; sehr hübsch ist ein kleiner Affe, der sich einen Sonnenschirm von einem Blatt gemacht hat, zu Orpheus Füßen sitzt und ihm zuhört. – Das ist, wie Sie leicht denken kann, ein wunderbares Prachtstück; es ist sehr reich und doch erhaben; und ich könnte Ihr noch eine halbe Stunde über die Schönheit der einzelnen Figuren vorschwätzen. Gold und Silber macht mir den Eindruck von etwas Heiligem; ob dies daher kommt, weil ich im Kloster immer die goldnen und silbernen Meßgeschirre und den Kelch gewaschen habe, den Weihrauchkessel geputzt und die Altarleuchter vom abträufelnden Wachs gereinigt, alles mit einer Art Ehrfurcht berührt habe? Ich kann Ihr nur sagen, daß uns beim Betrachten dieses reichen und künstlichen Werkes eine feierliche Stimmung befiel.
 
Jetzt beschreib' ich Ihr aber noch etwas Schönes, das gefällt mir in der Erinnerung noch besser, und die Kunstkenner sagen auch, es habe mehr Stil; das ist so ein Wort, wenn ich frage, was es bedeutet, sagt man: »Wissen Sie nicht, was Stil ist?« – Und damit muß ich mich zufrieden geben, hierbei hab' ich's aber doch ausgedacht. Alles große Edle muß einen Grund haben, warum es edel ist: wenn dieser Grund rein ohne Vorurteil, ohne Pfuscherei von Nebendingen und Absichten, die einzige Basis des Kunstwerks ist: das ist der reine Stil. Das Kunstwerk muß gerade nur das ausdrücken, was die Seele erhebt und edel ergötzt und nicht mehr. Die Empfindung des Künstlers muß allein darauf gerichtet sein, das übrige ist falsch. In den kleinen Gedichten vom Wolfgang ist die Empfindung aus einem Guß, und was er da ausspricht, das erfüllt reichlich eines jeden Seele mit derselben edlen Stimmung. In allen liegt es, ich will Ihr aber nur dies kleinste zitieren, das ich so oft mit hohem Genuß in den einsamen Wäldern gesungen habe, wenn ich allein von weitem Spazierwege nach Hause ging. 
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