Das kann ich nicht von Dir leiden, daß Du die Nächte verschreibst und nicht verschläfst, das macht Dich melancholisch und empfindsam, wollt' ich drauf antworten, bis mein Brief ankäm', da ist schon wieder ander Wetter. Mein Sohn hat gesagt: was einem drückt, das muß man verarbeiten, und wenn er ein Leid gehabt hat, da hat er ein Gedicht draus gemacht. – Ich hab' Dir gesagt, Du sollst die Geschichte von der Günderode aufschreiben, und schick' sie nach Weimar, mein Sohn will es gern haben, der hebt sie auf, dann drückt sie Dich nicht mehr.
Der Mensch wird begraben in geweihter Erde, so soll man auch große und seltne Begebenheiten begraben in einem schönen Sarg der Erinnerung, an den ein jeder hintreten kann und dessen Andenken feiern. Das hat der Wolfgang gesagt, wie er den »Werther« geschrieben hat; tu es ihm zulieb' und schreib's auf.
Ich will Dir gern schreiben, was meine arme Feder vermag, weil ich Dir Dank schuldig bin; eine Frau in meinem Alter und ein junges feuriges Mädchen, das lieber bei mir bleibt und nach nichts anderm frägt, ja das ist dankenswert; ich hab's nach Weimar geschrieben. Wann ich ihm von Dir schreib', da antwortet er immer auf der Stell'; er sagt, daß Du bei mir aushältst, das sei ihm ein Trost. – Adieu, bleib nicht zu lang im Rheingau; die schwarzen Felswände, an denen die Sonne abprallt, und die alten Mauern, die machen Dich melancholisch,