Liebe Frau Rat! Ich war in Köln, da hab' ich den schönen Krug gekauft, schenk' Sie ihn Ihrem Sohn von sich, das wird ihr besser Freud' machen, als wenn ich Ihr ihn schenkte. Ich selbst mag ihm nichts schenken, ich will nur von ihm nehmen.
Köln ist recht wunderlich, alle Augenblick' hört man eine andre Glocke läuten, das klingt hoch und tief, dumpf und hell von allen Seiten untereinander. Da spazieren Franziskaner, Minoriten, Kapuziner, Dominikaner, Benediktiner aneinander vorbei, die einen singen, die andren brummen eine Litanei, und wenn sie aneinander vorbeikommen, da begrüßen sie sich mit ihren Fahnen und Heiligtümern und verschwinden in ihren Klöstern. Im Dom war ich grade bei Sonnenuntergang, da malten sich die bunten Fensterscheiben durch die Sonn' auf dem Boden ab, ich kletterte überall in dem Bauwerk herum und wiegte mich in den gesprengten Bögen.
Fr. Rat, das wär' Ihr recht gefährlich vorgekommen, wenn Sie mich vom Rhein aus in einer solchen gotischen Rose hätte sitzen sehen; es war auch gar kein Spaß; ein paarmal wollte mich Schwindel antreten, aber ich dachte: sollte der stärker sein wollen wie ich? – Und expreß wagt' ich mich noch weiter. Wie die Dämmerung eintrat, da sah ich in Deutz eine Kirche mit bunten Scheiben von innen illuminiert, da tönte das Geläut herüber, der Mond trat hervor und einzelne Sterne. Da war ich so allein, rund um mich zwitscherte es in den Schwalbennestern, deren wohl Tausende in den Gesimsen sind, auf dem Wasser sah ich einzelne Segel sich blähen. Die andern hatten unterdessen den ganzen Kirchbau examiniert, alle Monumente und Merkwürdigkeiten sich zeigen lassen. Ich hatte dafür einen stillen Augenblick, in dem meine Seele gesammelt war, und die Natur, auch alles, was Menschenhände gemacht haben und mich mit, in die feierliche Stimmung des im Abendrot glühenden Himmels einschmolz. – Versteh' Sie das oder versteh' Sie es nicht, es ist mir einerlei. Ich muß Sie freilich mit meinen übersichtigen Grillen behelligen, wem sollt' ich sie sonst mitteilen!
Das ist auch noch eine Merkwürdigkeit von Köln; die Betten, die so hoch sind, daß man einen Anlauf nehmen muß, um hineinzukommen; man kann immer zwei, drei Versuche machen, ehe einer glückt; ist man erst drin, wie soll man da wieder herauskommen? Ich dachte, hier ist gut sein, denn ich war müde, und hatte mich schon den ganzen Tag auf meine Träume gefreut, was mir die bescheren würden; da kam mir auch auf ihrem goldnen Strom ein Kahn beladen und geschmückt mit Blumen aus dem Paradies entgegen, und ein Apfel, den mir der Geliebte schickte, den hab' ich auch gleich verzehrt.
Wir haben am Sonntag so viel Rumpelkammern durchsucht, Altertümer, Kunstschätze betrachtet, ich hab' alles mit großem Interesse gesehen. Ein Humpen, aus dem die Kurfürsten gezecht, ist schön, mit vier Henkel, auf denen sitzen Nymphen, die ihre Füße im Wein baden, mit goldnen Kronen auf dem Kopf, die mit Edelsteinen geziert sind; um den Fuß windet sich ein Drache mit vier Köpfen, die die vier Füße bilden, worauf das Ganze steht; die Köpfe haben aufgesperrte Rachen, die inwendig vergoldet sind, auf dem Deckel ist Bacchus von zwei Satyrn getragen, er ist von Gold und die Satyrn von Silber. So haben auch die Nymphen emaillierte Gewande an. Der Trinkbecher ist von Rubinglas, und das Laubwerk, was zwischen den Figuren sich durchwindet, ist sehr schön von Silber und Gold durcheinander geflochten. – Dergleichen Dinge sind viel, ich wollt' Ihr bloß den einen beschreiben, weil er so prächtig ist, und weil Ihr die Pracht wohlgefällt.
Adieu, Frau Rat! – Zu Schiff kamen wir herab, und zu Wagen fuhren wir wieder zurück nach Bonn.