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雪莱诗歌:Ode an den Westwind

时间:2019-02-15来源:互联网 字体:[ | | ]  进入德语论坛
(单词翻译:双击或拖选) 标签: 雪莱
1.
O wilder Westwind, du des Herbstes Lied, 
Vor dessen unsichtbarem Hauch das Blatt, 
Dem Schemen gleich, der vor dem Zaubrer flieht,
 
Fahl, pestergriffen, hektisch roth und matt, 
Ein todtes Laub, zur Erde fällt! O du, 
Der zu der winterlichen Ruhestatt
 
Die Saaten führt – die Scholle deckt sie zu, 
Da liegen sie wie Leichen starr und kalt, 
Bis deine Frühlingsschwester aus der Ruh'
 
Die träumenden Gefilde weckt, und bald 
Die auferstandnen Keim' in Blüthen sich 
Verwandeln, denen süßer Duft entwallt: –
 
Allgegenwärt'ger Geist, ich rufe dich, 
Zerstörer und Erhalter, höre mich!
 
2.
Du, dessen Strömung bei des Wetters Groll 
Die Wolken von des Himmels Luftgezweig 
(Engel von Blitz und Regen sind es) toll
 
Wie sinkend Laub zur Erde schüttelt: – gleich 
Dem schwarzen Haare, das man flattern sieht 
Um ein Mänadenhaupt, ist wild und reich,
 
Vom Saum des Horizonts bis zum Zenith 
Auf deinem Azurfeld die Lockenpracht 
Des nahnden Sturms verstreut! Du Klagelied
 
Des sterbenden Jahres, welchem diese Nacht 
Als Kuppel eines weiten Grabes sich 
Gewölbt mit all der aufgethürmten Macht
 
Von Dampf und Dunst, die bald sich prächtiglich 
Als Regen, Blitz entladen: – höre mich!
 
3.
Du, der geweckt aus seinem Sommertraum 
Das blaue Mittelmeer, das schlummernd lag, 
Gewiegt an einer Bimsstein-Insel Schaum
 
In Bajä's Bucht von sanftem Wellenschlag, 
Und tief im Schlaf die Wunderstadt gesehn, 
Erglänzend in der Fluth kristallnem Tag,
 
Wo blaues Moos und helle Blumen stehn, 
So schön, wie nimmer sie ein Dichter schuf! 
Du, dem im Zorne selbst entfesselt gehen
 
Des Weltmeers Wogen, wenn sie trat dein Huf, 
Indeß der schlammige Wald, der saftlos sich 
Das Blatt am Grunde fristet, deinen Ruf
 
Vernahm, daß falb sein grünes Haar erblich 
Und er sich bebend neigte: – höre mich!
 
4.
Wär' ich ein todtes Blatt, von dir entführt, 
Wär' eine Wolke, ziehnd auf deiner Spur, 
Wär' eine Welle, die den Odem spürt
 
Von deiner Kraft, und selbst sie theilte, nur 
So frei nicht, Stürmender, wie du! Ja, schritt' 
Ich noch, ein Knabe, auf der Kindheit Flur,
 
Begleiter dir auf deinem Wolkenritt, 
Als deinen Flug zu überholen, mir 
So leicht erschien: – dann klagt' ich, was ich litt,
 
So bitter flehend nicht wie heute dir. 
O nimm mich auf, als Blatt, als Welle bloß! 
Ich fall' auf Schwerter – ich verblute hier!
 
Zu Tode wund sinkt in des Unmuths Schooß 
Ein Geist wie du, stolz, wild und fessellos.
 
5.
Laß gleich dem Wald mich deine Harfe sein, 
Ob auch wie seins mein Blatt zur Erde fällt! 
Der Hauch von deinen mächt'gen Melodein
 
Macht, daß ein Herbstton beiden tief entschwellt, 
Süß, ob in Trauer. Sei du, stolzer Geist, 
Mein Geist! Sei ich, du stürmevoller Held!
 
Gleich welkem Laub, das neuen Lenz verheißt, 
Weh meine Grabgedanken durch das All, 
Und bei dem Liede, das mich aufwärts reißt,
 
Streu, wie vom Herde glühnder Funkenfall 
Und Asche stiebt, mein Wort ins Land hinein! 
Dem Erdkreis sei durch meiner Stimme Schall
 
Der Prophezeiung Horn! O Wind, stimm ein: 
Wenn Winter naht, kann fern der Frühling sein? 
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