Opa kam ganz stolz aus der Stadt. Nach den vielen Jahren mit einem großen, klobigen Hörgerät hinter dem Ohr, hatte er sich nun eines gegönnt, das klitzeklein war und beinahe komplett im Gehörgang verschwand.
»Das ist sehr viel gemütlicher und drückt nicht so.«, erzählte er der ganzen Familie begeistert. »Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie wohl ich mich damit fühle. Jetzt spüre ich eigentlich gar nichts mehr. Das ist so wundervoll, als wäre ich noch ein junger Mann mit perfekten Ohren.«
Er ging durch das ganze Haus, musste jedem davon erzählen. Dann rief Opa auch noch alle seine Freunde an, vor allem die, die selbst ein Hörgerät benutzten.
»Die Frau im Hörgeräteladen hat die Dinger auch ganz anders eingestellt. Sie sagte, dass ich jetzt noch sehr viel besser hören kann. Mit etwas Glück würde ich sogar das Gras im Garten wachsen hören.«
Er lachte laut und hielt sich dabei den Bauch. »Aber an das neue Hören werde ich mich wohl erst noch gewöhnen müssen. Bis jetzt ist eher schlechter als besser geworden. Das dauert vielleicht noch ein paar Tage.«
Seine Enkelin kam näher und nahm Opas Ohr ganz genau unter die Lupe. »Wie klein ist dein Hörgerät eigentlich?«, wollte sie wissen. Ich kann nämlich gar keins sehen. Sitzt das so tief im Ohr drin?«
Opa wurde misstrauisch. Zuerst tastete er mit den Fingern, dann sah er in den Spiegel. »Verdammt und zugenäht. Es ist weg. Kein Wunder, dass ich nicht so gut hören kann.«
Verzweifelt begann er zu suchen, was gar nicht so einfach war, denn er war im ganzen Haus gewesen.
»Ich glaube nicht, dass ich es finden werde, dafür ist es zu klein und meine Augen zu schlecht. Das wird Ärger mit Oma geben. Das Hörgerät war nämlich sehr teuer.«
Plötzlich hörte er ganz in seiner Nähe ein Quietschen und Pfeifen. Diese Geräusche kannte er noch von seinen alten Geräten. So klangen sie immer, wenn Töne falsch aufgenommen und wiedergegeben wurden.
»Moment! Da ist es irgendwo. Ich muss es noch an mir haben.«
Schnell durchsuchte er alle Taschen und Falten an seiner Kleidung, konnte aber nichts finden.
»Bleib mal ruhig, Opa.«, sagte seine Enkelin. »Ich werde dir helfen.«
Sie griff an sein Gesicht, fuhr mit zwei spitzen Fingern in seinen buschigen Bart und zog das Hörgerät heraus. »Da ist es.«
Opa musste schlucken. »Das blöde Ding ist so leicht, man merkt gar nicht, wenn es mal verloren geht. Da muss ich mich wirklich erstmal dran gewöhnen.«